Im "Kampf um Unfallrente" zieht sich meine Story durch ganz Deutschland bis nach Afrika zu einem König und unsere Bundeskanzlerin (Frau Merkel), finden sich darin auch wieder.




Durch meinen "Kampf um Unfallrente" und den vielen Schreibereien mit dem Gericht und der BGHW, hatte ich keine Zeit mehr um mein Wohnmobil aufzupolieren und habe es Tala Awolola überlassen.

 

Ich konnte mit meinem Wohnmobil nur einen kurzen Blick von Gibraltar nach Afrika genießen, weil ich 2001 im "Kampf um Unfallrente" auf eine Bande von Amtsträger gestoßen bin und im Visier haben, Entschädigungsansprüche von Versicherten der gesetzlichen Unfallverricherungen (BG) zu verhindern.     

Mein Wohnmobil, "in der guten Stube von Bremen" für das ich im "Kampf um Unfallrente" keine Zeit mehr zum "Aufpolieren" gehabt habe.

 

Und tatsächlich als Bus in "Afrika bei einem König" gelandet ist.

 

Und dazu gibt es die folgende Story mit vielen Bildern und Kommentar.

  

Mein Leben hat sich verändert.

Durch den "Kampf um Unfallrente" hat sich mein soziales Leben vollkommen verändert. Nun muss ich Behördenakten studieren sitze vor dem PC und fertige Schriftsätze für die vielen Gerichtsverfahren an. Das Reisen mit meinem selbst ausgebauten Wohnmobil musste ich einstellen, habe es einem freundlichen Afrikaner überlassen und wurde von einer Journalistin nach Afrika begleitet. Und hat mit vielen Bildern die schöne Story geschrieben "Tala, sein König und Ich".

  

 

Stories of a white nosed woman invited to Nigeria in February 2012

 

 

Freitag, 27. April 2012

Der Bus

Erich Neumann vermutet, dass es der Blick von Gibraltar aus war, der die Sehnsucht seines Busses nach Afrika geweckt hat. 


In Bremen hat der Bus eine lange Geschichte: hat für das  Sanitätshaus Richter Medizintechnik zu Pflegeheimen und Krankenhäusern gefahren. Die haben ihn ihrem Mitarbeiter Erich Neumann später als Überstundenausgleich überlassen und den Bus vorher mit einer neuen, perlmuttfarbenen Lackierung ausgestattet. Das jedenfalls hat mir Erich Neumann gerade am Telefon erzählt, nachdem er über einen meiner Zeitungsartikel auf diesen Blog aufmerksam geworden ist. Bei Erich Neumann durfte der Bus Wohnmobil sein. Und hat dabei wohl Lust auf Fernreisen bekommen.


Ich hörte von dem Bus zum ersten Mal im Herbst 2011. Tala hatte ihn von der Bremer Neustadt aus auf die Schiffsreise nach Nigeria geschickt. Die 1500 Euro Frachtkosten wurden fällig – und mussten eiligst bezahlt werden.
Transaktionen mit Nigeria wurden gemacht: Mit Lagos kontaktet und dafür gesorgt, dass die richtigen Leute per Eilsendung die richtigen Papiere zur Abholung in die Hände bekommen.
Alles musste ganz schnell gehen.
 
Im Februar dann holt Tala mich in Lagos vom Flughafen ab. Bevor wir die Stadt verlassen können, müssen wir nur noch eben den Bus abholen. Das hat die Tage vorher irgendwie nicht funktioniert.
Ich kann ihm da auch nicht helfen, bin der "fish out of water".

Warten lernen.

Sitze ich rum und schwitze. Fühle mich wie ein prall gefülltes Sparschwein, denn ich habe alles Reisegeld, zwei Kameras und ein Iphone dabei. Logisch, denn wir wollen ja nachher die Stadt verlassen. Fühle mich als ob mich jemand mit einem überdimensionalen Bühnenspot anleuchtet. Der Bühnenspot macht heiß und sorgt zuverlässig dafür, dass ich kilometerweit zu sehen bin. Noch selten war ich so weiß wie heute. Treffe den ersten und letzten Weißen auf dieser Reise, einen Mitarbeiter der deutsch-nigerianischen Betonbaufirma Julius Berger.

Habe Zeit zu fotografieren, wahrzunehmen, kennen zu lernen. Beherzige zwei Regeln: Genug trinken. Nie auch nur für einen Moment alleine bleiben.
Für die letzte Regel geht mein Dank an Nina George!
If there´s no bus - we´ll take a snap. This one shows
a wonderful joung woman from Lagos: Fatima.


Effo Dunga waiting with us in Maza-Maza.
Which means something like "Hurry up, faster. "
I would love to get to Erin-Ile faster.
No way.

 
Coole Lady. Essen: Hot!
Wie hier in Bremen bei Christy´s.

Lecker scharfes Essen. I love it!
Nur Okrasauce ist nicht mein Freund.
Das mit der Konsistenz.
They managed to get the bus! But someone lost the key.
Deshalb wurde der Bus mit dem Gabelstapler abgeladen.
Das hat ihm nicht gut getan.
Now there´s a need to make the bus work again.
Ob sich der Bremer Bus manchmal doch zurücksehnt,...


...sein beschauliches Bremer Leben...









 
 
 
...vermisst?
Ich schätze ihn als pflichtbewusst ein: Schließlich
 ist er vollgefüllt mit medizinischen Hilfsmitteln, Autoreifen,
Kühlschränken, Kühltruhen, Partyzubehör, Fussbällen,
Trikots. Er weiß, dass er nen wichtigen Job hat.

 
Schlafen. Dösen. Aufwachen. Weiterwarten.
 Der Bus und ich, wir können uns entspannen.
 Wir verstehen sowieso nicht was passiert,
denn alle sprechen Yoruba. Laut. Nee, noch lauter.


 Die Verhandlungen darum was die Reperatur des Busses
kosten soll, gestalten sich schwierig. Wieder spontane
Preiserhöhungen. Wegen der weißen Frau.
Wir wechseln den Stadtteil (Nein, nicht innerhalb Bremens)
But it looks like.
Hier werden auf jedem Quadratmeter Autos geschraubt.
Leider sieht man das.

Während wieder einmal der Preis für die Busreperatur festgelegt wird,
halten Tala und ich uns im Hintergrund, schnacken mit dem
netten Zuckerrohrverkäufer aus Kaduna.

Dunga holt uns: Die Preisverhandlungen sind abgeschlossen.
 Wir dürfen wieder zu den Anderen zurück.
 
 
Und ich darf ein Foto von diesen beiden Herren schießen.
Denkt Tala.
Schau dem Mann auf der linken Seite in die Augen.Was denkt der
 I see: Money, money, money,...
Plötzlich können sie den Bus nicht mehr mit einem gebrauchten Teil
reparieren,wollen uns ein neues verkaufen. Niemand macht ein Geschäft.
Alles wieder auf 0. Neue Werkstatt suchen. Entspannen.

Lieber Herr Neumann: bis wir sicher wussten, dass ihr Bus in Erin-Ile angekommen ist, verging noch viel Zeit. Eine aufgebrochenen Tür wurde zugeschweißt, der Fahrer am Schluss samt Bus und Geld und mit diversen Aufträgen versehen in Lagos zurückgelassen. Die Schäden, die das Abladen des Busses mit dem Gabelstapler angerichtet hatte, waren beträchtlich. Auch als ich Weißnase nicht mehr im Blickfeld war gab es noch Notwendigkeiten für diverse, reale Reparaturen.
Aber es gab ein Happy End. Der Bus kam unter großem Hallo in Erin-Ile an. Immer noch so prall gefüllt wie zuvor.

Die Inneneinrichtung...
...musste Kühlgeräten und Co weichen.
Und Fussballspenden von Bremer Vereinen...

...und Autoreifen. Und einigem mehr.

Hier noch ein paar Eindrücke davon...

...wo ihr Bus heute ist.




 Auf jeden Fall in guten Händen.
Ein beschauliches Lebens wird er hier zwar nicht haben...


...aber dafür einen spannendes und sinn-
stiftendes. Und ein langes. Denn zu den
Mechanikerfähigkeiten in Nigeria
fällt mir nur noch eins ein: Yes they can!

Zwei Tage haben wir mit der Busrepariererei verbracht. Fuhren erst spät am Nachmittag des zweiten Tages los in Richtung Erin-Ile. Haben die richtige Abfahrt verpasst. Und schon war passiert, was nicht passieren darf: wir waren bei Nacht unterwegs. Das ist ein NoGo. Das macht man nicht, das erzählt dir jeder, auch in Nigeria. Zum Glück sind wir sicher durchgekommen. 
Wären wir an dem Tag nicht gefahren, hätten Tala und ich seine Chieftance Ceremony verpasst. Das war einer der eindrucksvollsten Tage in meinem Leben. Und in seinem.
Davon erzähle ich das nächste Mal. 

Montag, 26. März 2012

6.2.2012, der Abend vor dem Abflug?

Talas Frau Christa kommt am Abend bei uns zuhause vorbei und bringt medizinische Hilfsmittel für das Krankenhaus in Erin-Ile.
Meine zwei Koffer sind jetzt mit über 50 kg Gepäck gefüllt. Und ich bilde mir ein ich könne tatsächlich noch eine gemütliche Stunde mit meinem Mann verbringen. Was nicht sein kann, weil das noch nie so war vor einer Überseereise.
Dann entdecke ich die Mail.
 
Air France bittet mich dringendst darum meinen Flug zu stornieren. Wegen eines mehrtägigen Streiks am Pariser Flughafen. Sie bieten mir einen weltweit gültigen Gutschein an den ich gegen das Flugticket nach Nigeria tauschen soll.
Oder das ich nach dem 10.2. fliege. Wenn die Festlichkeiten des Königs quasi vorbei sind.
 
Plötzlich habe ich die Möglichkeit zuhause zu bleiben. In Sicherheit.
Kein Boko Haram, keine Entführungsgeschichten.
Wie ich den Gutschein nutzen kann weiß ich sofort: Ich bin in Dakar eingeladen, kann Urlaub am Strand machen. Meinen Bruder und seine Familie im Senegal besuchen. Traumhaft.
 
All meine Nigeriaängste ziehen noch mal in einem langen, bluttriefenden, mit explodierenden Bomben und abgehackten Armen versehenen Showdown an mir vorbei.
Ich weiß weder ob ich fliegen WILL noch ob ich fliegen KANN. Packe aus, packe um. Denn falls ich in Paris wegen des Streiks hängen bleibe, dann bitte nur mit einem Koffer. 
 

Morgens um fünf, Flughafen Bremen:

Die naheliegendste Lösung fällt mir erst kurz vor Abflug ein: umbuchen über Amsterdam.
Am Flughafen erfahre ich, das ich einen der letzten Plätze in der Maschine kriege.
Der beste Mann der Welt kriegt einen Abschiedskuss.
 
On my way to Nigeria...Shiphol, Amsterdam.


Und dann bin ich weg.
 
 

Lagos, Nigeria

Und dann bin ich da. Und dann ist es irgendwie einfach gut und ich hab echte Begegnungen anstatt medialer Horrorgeschichten.


Tala holt mich gemeinsam mit Effo Dunga, dem Coach des Mädchenfussballteams aus Erin-Ile, vom Flughafen ab. Es ist heiß. Dunkel. Fremd.
Und meine Zeit als Gänseküken beginnt.
Tala, Effo Dunga und später auch Kasim mit dem tollen Handyklingelton (ein Muezzin der zum Gebet ruft) sind ab sofort meine Mamas.
Mein Job: ihnen treu ergeben hinterher zu watscheln. Hier bin ich die Fremde, die Sichtbare, die einzige Weiße. 

Lagos by night. Alle arbeiten. Kaufen, verkaufen. Sehr busy.
Schon in Deutschland habe ich mich gegen das vom König angebotene First Class Hotel entschieden, in dem ich niemand gekannt hätte. Eine gute Entscheidung. Wobei es mich auch verwirrt Tala hier zu sehen. Er gehört für mich nach Bremen. Wo er ist, ist Bremen.
Es dauert bis meine Seele nach Nigeria hinterhergeflogen kommt. Bis ich realisiere, das ich jetzt tatsächlich in Nigeria bin. Egal. Es kann dauern. Jetzt habe ich ja Zeit.



Im Haus in Barracks. Thanks a lot for your hospitality!


Und am nächsten Tag müssen wir nur noch mal eben...alles Mögliche tun bevor wir Lagos verlassen können. Bevor wir nach Erin-Ile fahren, zu den Feierlichkeiten des Königs wegen derer ich angereist bin. Dachte ich.
 
Damals, als ich noch in Deutschland war.
Irgendwie ist das jetzt alles nicht mehr in meinen Händen.
Yoruba verstehe ich nicht, das ist die Sprache die meistens um mich herum gesprochen wird. Laut. Oft in einem Tonfall, der mich an Streit erinnert. Ist es meistens nicht. Manchmal doch. Egal. Meine Jobs sind recht klar umrissen: Schwitzen. Entspannen. Wasser trinken. Fotografieren. Abwarten. Nicht zu oft aufs Klo müssen, denn das gibt es nicht.


Ein Zeitungsstand. Die Zeitung wird hier gelesen, selten gekauft,
die neusten Ereignisse hitzig diskutiert.

Nigeria ist voll des Lobes über diesen Mann:
Governor Babatunde Raji Fashola of Lagos State.
Er habe Lagos sicherer und lebenswerter für seine Bewohner gemacht, insbesondere v
iele der kriminellen Area Boys resozialisiert.

Hier kommt die Musik für die Bremer African Dance Night her.
Was ihr auf dem Bild nicht seht: Hier ist es heiß. Hier ist es laut. I miss it!



Dieselgeneratoren.
Die laute, stinkende, aber funktionierende Antwort auf die ständigen Stromausfälle.

Auch eine interessante Erfahrung: How to find your way through Lagos. Ohne Straßenschilder.
Ist klar: indem man versucht sich durch intuitives Fahren in Anlehnung an die Himmelsrichtung möglichst nah an das Zielobjekt heran zu pirschen.
Wenn man dann meint, man sei in der Nähe: einen Motorradfahrer bitten vorauszufahren, den Guide zu geben.
Der Motorradfahrer sieht die weiße Frau und will dafür, das er eine Strecke von unter fünf Minuten zum Goethe Institut fährt, 500 Naira.
Endlich gefunden: Catholic Mission Street  Lagos, Nigeria
Ungefähr so viel wie man für ein bescheidenes Apartment monatlich in Lagos Victoria Iland zahlt, dort wo auch die Weißen wohnen.
Er kriegt kein Geld, wir irren weiter.


Andere kriegen Geld. Auch das vielbesprochene briben durch die Polizisten kostet deutlich mehr wenn man weiße Haut zeigt. Und ich kann da leider nicht raus. Das hat seinen Preis. Der Polizist sieht mich, ich sehe das Leuchten in seinen Augen. Er winkt unser Auto gezielt aus dem laufenden Verkehr heraus. Höflichkeiten werden ausgetauscht, Fahrzeugpapiere kontrolliert.
Kein Geld wird verlangt. Erst beim Einsteigen fließen unauffällig Scheine in die Hände der Polizisten.


"Aber das wäre doch nicht nötig gewesen", sagen sie. Nein, wäre es nicht. Denn ohne das Geld hätten sie sich gerne noch ein paar Stunden Zeit genommen unser Auto auseinander zu nehmen. Und danach wäre es noch teurer geworden. Briben erzeugt eine Art win-win-Situation. Quasi.
City Hall. Auch der Sitz des Goethe Instituts, Lagos

Gleich gibt es Ärger mit dem Mann am rechten Rand des Fotos:
"Warum fotografierst du unsere Kirche? Willst du eine Bombe hineinwerfen?"
Nein, will ich nicht. Ehrlich.
Er will bestimmt nur Geld, sagen meine Begleiter. Die Securitymänner der City Hall kommen aus dem Kichern über die Situation gar nicht mehr raus. Mir ist nicht lustig zumute.
Ich bin verwirrt über den muslimischen Mann der vor einer christlichen Kirche steht und mich anbrüllt, ob ich die jetzt fotografieren würde um sie später in Stücke zu bomben.


Christliche Kirche in Lagos
Doch mein Gegensatzdenken Muslime versus Christen ist falsch, trotz aller verheerenden Nachrichten über bombenlegende Islamisten im Norden Nigerias die bei Selbstmordattentaten nicht nur an Weihnachten christliche Gottesdienste angreifen.


Christliche Kirche in Lagos
Boko Haram = muslimisch =
Terror,
diese Gleichung gibt es in Abwandlungen auf der ganzen Welt Und sie ist falsch.
Im Grunde weiß ich das.




Dennoch verblüfft es mich als ich später erfahre, das dieser muslimische Mann durchaus der Wächter der christlichen Kirche gewesen sein konnte. Und mehr als das: Es gibt viele Gegenden in Nigeria, in denen Christen Muslime während der Gottesdienste beschützen und Muslime sich vor christliche Kirchen stellen um dafür zu sorgen, das diese dort sicher und unbedroht beten können.
Und es gibt Gegenden in denen das nicht nötig ist. Zum Beispiel in Erin-Ile, Kwara State.
Da wollte ich ja eigentlich mal hin. Zum König und seiner Feier zum 30. Krönungsjahr.


Wer weiß ob ich da je ankomme oder ob wir die nächsten Monate versuchen werden uns intuitiv aus diesem Moloch von Stadt heraus zu bewegen. No chance. Aber egal. Bei weit über 10 Millionen Einwohnern kommt es wohl auf uns paar Leutchen mehr auch nicht mehr an.
Eins ist jedenfalls klar:
 
 
Ohne diesen Bus werden wir die Stadt nicht verlassen...

 
...aber was das bedeutet weiß ich zum Glück noch nicht,
 am zweiten Tag unserer "Fühl dich zuhause Tour 2012".

 
 

Mittwoch, 14. März 2012

...und ICH.

O.K., es gibt einige Gründe warum ich nach Nigeria wollte. Einer davon: es liegt in Afrika.
Seit ich vor drei Jahren bei der Hochzeit meines Bruders im ostafrikanischen Burundi war, will ich wieder zurück in das subsaharische Afrika.
Da ich nun aber vorerst mit meiner Familie in Bremen leben werde und das mit dem Reisen nur ab und an was wird, habe ich in den letzten Jahren nach Afrika in Bremen gesucht.


Afrika in Bremen? Oder Bremen in Afrika? Egal. I like it.


Nach Initiativen von AfrikanerInnen in Bremen Ausschau gehalten und darüber geschrieben, beispielsweise für den Weser-Kurier.
Außerdem arbeite ich an einem Drehbuch das in Nigeria und Deutschland spielt. Die Einladung nach Nigeria eröffnet mir eine erstklassige Recherchemöglichkeit.
Und ja: Abenteuerlust ist auch im Spiel.
Mein Flugticket kaufe ich ein halbes Jahr vorher.
Genug Zeit um Angst vor meiner Entscheidung zu bekommen. 


 
Where are we now? In between the worlds.
(O.K. ich verrate es. Es ist in Lagos, Nigeria)


Nigeria geizt nicht mit BAD NEWS. In den letzten Monaten haben sie sich noch massiv gesteigert. Die Bombenattentate einer islamistischen Gruppe namens Boko Haram an Weihnachten 2012 waren leider keine neue Entwicklung aber eine die in den letzten Jahren offensichtlich mehr Zulauf bekommen hat: Selbstmordattentäter sprengen sich bei christlichen Gottesdiensten in die Luft.
Allein dieses Jahr gab es durch (Selbstmord-) Attentate schon ca. 300 Tote bei Anschlägen auf Kirchen, Marktplätze, Schulen.
Von Bürgerkrieg ist die Rede.
Boko Haram bedeutet: "Westliche Erziehung ist Sünde". Man fühlt sich ungemein westlich wenn man das liest. Und viel zu weiß. Sichtbar.
 
Im Januar 2012 beginnt in Nigeria der landesweite Streik begleitet von massiven Demonstrationen gegen den Wegfall der Spritpreissubventionen.
Flüge nach Nigeria werden zeitweise eingestellt. Die nigerianischen Medien schocken mich. Sie sind nicht dezent.
Sie zeigen Blut, nackte Menschen, tote Menschen. 
Jeden Tag bringt mir mein Google Alert neue Schreckensmeldungen.
Ich frage Menschen die Menschen kennen die in Lagos leben, dort soll mein Flugzeug landen. Die Antworten pendeln zwischen "apokalyptisch" und "halb so schlimm, in zwei Wochen redet keiner mehr darüber"
Dazwischen ich - bei dem Versuch eine eigene Einschätzung zu gewinnen.
Das ist schwierig, weil es laut um mich herum ist: „Wie kannst du das deinen Kindern antun? Nach Nigeria zu fliegen? Weißt du überhaupt was da los ist?“
Doch ihr Lieben, ich weiß es.
Ich glaube ich weiß mittlerweile sogar zu viel.
 
Reinsurance (Lagos, Nigeria)


Ich denke: Wenn Nigerianer die hiesigen Horrornachrichten in der nigerianischen Presse lesen, dann bekommt man dort wahrscheinlich auch Angst vor uns.
Die Zwickauer Neonazis, der Lütticher Amoklauf (430km von hier). Mit diesen Relativierungen versuche ich mich zu beruhigen.

Und tue dann etwas wirklich vernünftiges. Beschließe nur noch Wert auf die Meinung derer zu legen, die sich vor Ort in Nigeria auskennen. Kontakte zum Beispiel das Goethe Institut in Lagos.
Goethe Institut (Lagos, Nigeria)


Stelle eine gezielte Anfrage beim Auswärtigen Amt. Und mache dann endlich einen Punkt.
Zwei Wochen vor dem Flugtermin habe ich mich entschieden zu reisen.
Was mich sichert: Ich bin in Begleitung von Menschen denen ich vertraue, die sich vor Ort auskennen, dort zuhause sind. Und ich bin mittlerweile sicher, dass ich in einer Region leben werde in der es friedlich ist, die fast schon berühmt für ihre Friedlichkeit zu sein scheint: Kwara State.
 
Aber klar ist auch: ich werde mich nicht alleine im Land bewegen. Nie. 
Wenn sie mich denn reinlassen, denn ich habe noch kein Visum.
Als Erstreisende nach Nigeria muss ich dafür nach Berlin, muss ein Interview bei der nigerianischen Botschaft über Sinn und Zweck meiner Nigeriareise machen.
Goethe Institut (Lagos, Nigeria)
Die meisten der Wartenden sind wohl Nigerianer, einige Deutsche palavern mal wieder über Fragen der Gefahrenabschätzung.
„Erschossen werden kann man auch anderswo.“ Na denn.
Auch in der nigerianischen Botschaft selber ist man offensichtlich um meine Sicherheit besorgt. Fragt genau nach: Wen genau kenne ich in Nigeria? Wie gut? Seit wann? Wohin gehe ich? Was habe ich dort vor?
Man will mich schützen.
 
"Nigeria is ready to export fraud", wird drei Wochen später Chief Edward Amosu, ein früherer Mobil Oil Mitarbeiter bei einem Gespräch in der Hotellobby sagen. Nigeria tut das, die Welt weiß das. Es steht in den Zeitungen, im Internet. das ist es was man von Nigeria kennt.
Und es ist trotz allem nur ein Teil der Wahrheit. Oder, wie es die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie sagt:

 
            “The single story creates stereotypes,
and the problem with stereotypes is not that they are untrue, but that they are incomplete.
They make one story become the only story.”

 
Wer gerade nach Nigeria schaut der sieht: dort wird ein blutiger Krieg zwischen Islamisten und Christen geführt. Nigeria = Boko Haram, das ist es was einen die letzten Monate glauben machen können.

Andererseits:

Ein nigerianisches Dorf an dem man gleichzeitig - an Vodoo glauben - Muslim sein kann - mit der Familie christliche Weihnachten feiert - in dem Christen und Muslime zusammen beten - in dem man Sonntags zum Spiel des christlich/muslimischen Mädchenfussballteams geht...ich denke mir, das könnte ein guter Ort sein um hinter die Geschichten der Schlagzeilen und Stereotypen zu sehen. Das würde ich gerne versuchen. Nur: mein Visum habe ich noch immer nicht.


 
"I know the KING you are talking about", sagt die Sachbearbeiterin gerade. Es ist überdeutlich, ich werde gefragt ob ich Respekt, ob ich Wertschätzung habe für seine Yoruba-Tradition.
"He´s a real traditional ruler."


"Ja", sage ich. Und das er mich bei seinem Besuch in Bremen genau damit beeindruckt hat. Wie er gleichzeitig weltoffen und traditionell sein kann. Das ist der Punkt.
Die Sachbearbeiterin lächelt, endlich.
Ich werde fliegen.




Kathrin und Tala im Goethe Institut (Lagos, Nigeria)

Auf dem letzten Bild kommt Tala gerade aus dem Goethe Institut in Afrika. Und in Deutschland wurde (2014) von meinem Kollegen der Bremer Lagerhaus-Gesellschaft (BLG) vormals E. E. Harms Autotransporte, das Goethe Archiv gerammt. Und lässt eine weiter Verbindung, zu meinem Unfall 1968 "Autos wirbelten durch die Luft", in der Firma E. H. Harms (jetzt BLG) ableiten.

Durch den ungebremsten Aufprall wurde die Hauswand beschädigt   Foto:DPA
Durch den ungebremsten Aufprall wurde die Hauswand beschädigt Foto:DPA